Die sinkende Wohnbauförderung bedroht leistbaren Wohnraum in Österreich und stellt den gemeinnützigen Wohnbau vor große Herausforderungen. Eine starke, professionelle Kommunikation ist nötig, um Politik und Öffentlichkeit für die Dringlichkeit dieser Problematik zu sensibilisieren und Lösungen für die langfristige Sicherung leistbaren Wohnraums zu finden.
Die Wohnbauförderung war über Jahrzehnte eine der Säulen der österreichischen Wohnungspolitik. Sie ermöglichte es, qualitativ hochwertigen, leistbaren Wohnraum zu schaffen und den sozialen Ausgleich auf dem Wohnungsmarkt zu sichern. Doch die Rahmenbedingungen für den gemeinnützigen Wohnbau haben sich stark verändert. Sinkende Fördermittel und steigende Baukosten belasten den Sektor und führen zu Engpässen, die den Wohnungsmarkt und die Zukunft leistbaren Wohnens bedrohen.
Zahlen, die eine alarmierende Entwicklung zeigen
Die Entwicklung der Wohnbauförderung zeigt einen klaren Abwärtstrend. Zwischen Mitte der 1990er- und 2010er-Jahre lag sie stabil bei 2,4 bis 3 Milliarden Euro jährlich, doch 2022 sank sie auf unter 1,9 Milliarden, 14 Prozent weniger als der Zehnjahresdurchschnitt. Auch der Anteil am BIP hat sich drastisch reduziert: von 1,4 Prozent vor 25 Jahren auf nur noch 0,4 Prozent. Dieser Rückgang belastet den gemeinnützigen Wohnbau erheblich: 2022 wurden nur für 18.500 Neubauwohnungen Förderungen bewilligt, rund 30 Prozent weniger als im Schnitt der Vorjahre. Besonders betroffen sind Geschoßwohnungen, wo nur noch 14.700 Einheiten gefördert wurden. Lediglich 42 Prozent der Baubewilligungen für Geschoßwohnungen erhalten Fördermittel, was die Verfügbarkeit leistbarer Wohnungen zunehmend gefährdet.
Sinkende Fertigstellungen bei steigendem Bedarf
Der Bedarf an leistbarem Wohnraum in Österreich bleibt hoch, wie der „1. Österreichische Neubaubericht" zeigt, der den jährlichen Bedarf auf 40.000 bis 50.000 neue Wohnungen schätzt. Doch die tatsächlichen Fertigstellungen bleiben weit dahinter zurück: 2023 wurden nur 42.000 Wohnungen gebaut, und für 2024 werden voraussichtlich 36.000 erwartet, ein Minus von 15 Prozent. Bis 2026 könnte die Zahl auf nur noch 17.000 sinken. Besonders betroffen ist der freifinanzierte Wohnbau: Statt der 17.380 Eigentumswohnungen im Jahr 2024 könnten bis 2026 nur noch 1.800 entstehen; auch bei Mietwohnungen droht ein Rückgang von 7.350 auf 1.350 Einheiten. In Ballungszentren wie Wien spitzt sich die Lage zu: Während 2023 noch 16.700 Wohnungen fertiggestellt wurden, könnte diese Zahl bis 2025 auf 11.600 sinken. Auch die stark sinkende Zahl an Baubewilligungen deutet auf einen weiteren Rückgang hin, im zweiten Quartal 2023 gab es 25 Prozent weniger Genehmigungen als im Vorjahr.
Der Beitrag des gemeinnützigen Wohnbaus zur sozialen Stabilität
Der gemeinnützige Wohnbau spielt eine Schlüsselrolle im sozialen Wohnungsbau und sorgt für erschwingliche Mieten, wodurch Haushalte mit geringem Einkommen jährlich rund 1,3 Milliarden Euro sparen. Doch ohne stabile Fördermittel wird es zunehmend schwer, neue Projekte zu realisieren und bestehende Wohnungen zu modernisieren, mit dem Risiko, dass leistbarer Wohnraum langfristig knapp wird. Branchenvertreter fordern daher eine Verdoppelung der Fördermittel auf 1 Prozent des BIP, höhere Förderdarlehen und Annuitätenzuschüsse, um steigende Zinskosten auszugleichen. Eine Anpassung der Landeswohnbauförderung an aktuelle Bedürfnisse ist ebenfalls unerlässlich, um den Wohnraum langfristig zu sichern.
Gemeinnützige Wohnbauträger brauchen eine starke Stimme
Angesichts der Dringlichkeit dieser Entwicklungen ist eine klare, gezielte Kommunikation für den gemeinnützigen Wohnbau wichtiger denn je. Gemeinnützige Wohnbauträger spielen eine zentrale Rolle, um die Bedeutung stabiler Wohnbauförderung und die Risiken von Kürzungen in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit zu rücken. Strategische Kommunikation bietet hier eine große Chance: Mit prägnanten Kernbotschaften, gezielten Hintergrundgesprächen, Medienarbeit und anschaulichen Materialien können die Anliegen des gemeinnützigen Wohnbaus auf die politische Agenda gebracht werden. Die Sicherung leistbaren Wohnraums erfordert mehr als nur Fördermittel, es braucht eine konsequente, professionelle Kommunikation, die die Bedeutung des gemeinnützigen Wohnbaus und die Dringlichkeit einer Förderreform in den öffentlichen Diskurs einbringt.